Aktivitäten der Mitglieder und Beobachter des DNTDs

+ + GHHG - Woche der Arbeitsgruppen 2021

Berlin, 24.3.2021 – Malaria und vernachlässigte Tropenkrankheiten können gemeinsam bekämpft werden, darüber waren sich die Teilnehmenden des Webinars „Integrierte und sektorübergreifende Interventionen: Beispiel Vernachlässigte Tropenkrankheiten und Malaria“ einig, das im Rahmen der Aktionswoche des Global Health Hub Germany stattfand. Internationale ExpertInnen hatten sich im Vorfeld des Kigali-Summit on Malaria und NTDs getroffen, der für Juni angedacht ist, um herauszufinden, wie beide Krankheiten - NTDs und Malaria - gemeinsam bekämpft und wie damit ein Paradigmenwechsel in der Gesundheitspolitik aussehen kann.

Dr. Mwelecele Ntuli Malecela, Director, Department of Control of Neglected Tropical Diseases, World Health Organization (WHO) setzte sich dafür ein, die globale Gesundheitsarchitektur neu zu formulieren und die vertikale Gesundheitsfinanzierung aufzubrechen sowie den endemischen Ländern im Rahmen ihrer größeren Verantwortung für die Programme mehr Flexibilität bei den Ausgaben zu erlauben. Dr. Aimable Mbituyumuremyi, Division Manager for Malaria and NTD Programmes, Government of Rwanda erläuterte, dass in seinem Land beide Krankheiten, die die größte Krankheitslast bedeuten, bereits gemeinsam in einer Abteilung im Gesundheitsministerium bearbeitet würden. Er beschrieb die Koordination und die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Arbeitsebenen auf Regierungs-, Distrikt- und Kommunalebene. Richard Allan, CEO, MENTOR Initiative erklärte, dass arme Bevölkerungsgruppen oft von gemeinsamen Kontrollstrukturen und -aktivitäten von Malaria und NTDs profitieren könnten. Entscheidend für die Bekämpfung beider Krankheiten seien Community Health Worker, die weiter fortgebildet werden sollten und mit innovativen digitalen Tools ausgestattet, bessere Diagnosen erstellen und wichtige Daten weiterleiten könnten. Dr. Daniel Eibach, Senior Health Officer One Health, vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstrich die Anstrengungen Deutschlands, den One Health Ansatz bei der Bekämpfung der NTDs zu integrieren und machte sich dafür stark, dass trotz aller notwendigen Interventionen in der COVID-19 Epidemie weder Malaria noch NTDs vergessen werden dürfen. Dr. Lutz Hegemann, Group Head, Corporate Affairs and Global Health, Novartis Institutes for BioMedical Research wies darauf hin, dass die pharmazeutischen Unternehmen weiterhin Partnerschaften zur Bekämpfung beider Krankheiten unterstützen. Eine Forderung aus dem Publikum unterstrich, wie wichtig es sei, das lokale Wissen einzubeziehen und Innovation zu entkolonialisieren. Die Veranstaltung wurde von Dr. Dr. Carsten Köhler, Direktor des Kompetenzzentrums Tropenmedizin Baden-Württemberg, Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie, Universitätsklinikum, Eberhard-Karls-Universität Tübingen und Prof. Dr. Achim Hörauf, Direktor des Instituts für Med. Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie an der Uniklinik Bonn, Sprecher des DNTDs und Koordinator der GHHG Arbeitsgruppe moderiert.

++ Webtalk zum Auftakt der Aktionswoche zur Bekämpfung von NTDs

Berlin, 25.01.2021 – Zum Auftakt der Aktionswoche gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten hat das deutsche Netzwerk unter der Schirmherrschaft von Dr. Georg Kippels MdB, einen Webtalk zur Chagas-Krankheit organisiert.

++ Interview mit Prof. Dr. KH Martin Kollmann

Berlin, 21. Januar 2021 - Die WHO stellt den neuen Aktionsplan 2030 zur Bekämpfung der NTDs, der Ende letzten Jahres von der World Health Assembly angenommen wurde, der Öffentlichkeit vor. Neu ist insbesondere der integrative, sektorübergreifende Ansatz und die Betonung der Verantwortung der Länder, in denen die vernachlässigten Tropenkrankheiten endemisch sind.

Prof. Dr. KH Martin Kollmann, Gründungs- und Ehrenmitglied des DNTDs, Experte für vernachlässigte Tropenkrankheiten bei der Christoffel-Blindenmission (CBM) und CBM-Augenarzt erklärt, welche Veränderungen die neue WHO-NTD Roadmap mit sich bringt. Er lebt seit 1994 mit seiner Familie in Kenia.  

1 FRAGE: Die neue WHO-NTD Roadmap wird weltweit einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt, was ist das Neue?

Prof. Dr. KH Martin Kollmann: Zunächst einmal baut die neue WHO-NTD Roadmap 2030 auf den Erfolgen einer außergewöhnlichen Multiakteurs-Partnerschaft auf. Mit den Erfahrungen einer über Jahrzehnte gewachsenen Zusammenarbeit z.B. in der Flussblindheits- und Trachom-Bekämpfung hat sich diese Koalition aus Landesprogrammen, Implementierungspartnern, Forschungsinstitutionen, dem Pharmasektor und von der Krankheitslast betroffenen Gemeinden 2012 mit der „London Declaration“ gemeinsame Ziele auf dem Weg zur weltweiten Kontrolle und Eliminierung von NTDs gesetzt.

Im Ergebnis haben bis 2020 bereits 42 Länder eine oder mehrere der von der WHO als NTDs definierten 20 Tropenkrankheiten eliminiert. Zu diesen beeindruckenden Fortschritten haben nicht zuletzt umfangreiche und langjährige Medikamenten-Spenden forschender Pharma-Unternehmen beigetragen, zudem innovative Ansätze zivilgesellschaftlicher Hilfsorganisationen. Allerdings waren viele Interventionen in der Vergangenheit im Wesentlichen auf einzelne Erkrankungen fokussiert und haben dabei Wechselwirkungen sowie überschneidende Krankheitslasten und gemeinsame Interventionsmöglichkeiten zu wenig in den Blick genommen. Dabei konnte schon gezeigt werden, dass NTD-Interventionen auch systemische Wirkungen haben, wie die Gabe von Antibiotika bei der Trachom-Behandlung, die auch gegen andere Infektionen wirken und dadurch die krankheitsbedingte Mortalität gerade bei Kindern insgesamt senken können.

Eingebunden in die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) vollzieht die WHO nun mit der neuen Roadmap 2030 eine bemerkenswerte Kurskorrektur. Mit diesem Paradigmenwechsel sollen gewachsene und neue NTD-Partnerschaften für das Erreichen der ehrgeizigen Ziele besser koordiniert und zusammengebracht werden.

Dabei kommt der Betonung von gemeindezentrierten Ansätzen zu Recht zentrale Bedeutung zu: von NTDs betroffene Menschen müssen systematisch sowie von Anfang an aktiv und inklusiv in die Planung, Durchführung und Evaluierung von Programmen eingebunden werden.

Dies geht einher mit einer Schwerpunktverlagerung hin zu ganzheitlicheren und sektorübergreifend angelegten Programmen. So hebt die WHO-Roadmap ausdrücklich die Bedeutung einer vertieften Zusammenarbeit mit dem WASH-Sektor hervor, wie auch die Notwendigkeit, verstärkt One Health-Ansätze zu verfolgen.

2 FRAGE: Welche Rolle spielen alte und neue Partner bei der Umsetzung der Strategie?

Prof. Dr. KH Martin  Kollmann: Die neue NTD-Roadmap 2030 baut auf den bisherigen Erfolgen und bestehenden Partnerschaften auf. Dazu gehören z.B. krankheitsspezifische Koalitionen mit ihrer technischen und programmatischen Expertise, ebenso wie diverse vom Pharmasektor unterstützte Medikamenten-Spendenprogramme.

Aber wir müssen unsere Anstrengungen in vielen Bereichen gehörig verstärken, um unsere ambitionierten Ziele – die Eindämmung aller 20 NTDs – tatsächlich erreichen zu können. Wir benötigen mehr Medikamentenspenden und müssen die Verteilungsstrukturen und begleitenden Gesundheitsmaßnahmen ausweiten. Und wir benötigen verstärkte Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen für zusätzliche innovative Diagnostika und Wirkstoffe.

Darüber hinaus ist es für die Umsetzung der neuen NTD Roadmap 2030 unabdingbar, neue Partner einzubeziehen, etwa aus den Bereichen WASH (Wasser-, Sanitär und Hygieneversorgung) sowie One Health mit den wichtigen Schnittstellen zwischen Menschen, Tieren und ihrer gemeinsamen Umwelt. Aber wir sollten auch Partnerschaften zu weiteren Gesundheitsakteuren vertiefen, wie der HIV-/AIDS-, Tuberkulose und Malaria-Community. Die Zusammenhänge zwischen NTDs, Stigma und mentaler Gesundheit liegen ebenfalls auf der Hand. Eine systematische Behandlung erfordern auch andere durch NTDs hervorgerufene oder verstärkte Krankheiten, wie die weibliche Genital-Bilharziose, die das Risiko von HIV-Infektionen für die betroffenen Frauen und Mädchen massiv erhöht.

3 FRAGE: Was sind die großen Herausforderungen in den kommenden zehn Jahren?

 Prof. Dr. KH Martin Kollmann: Entscheidend für den Erfolg bis 2030 wird sein, wie durch effektives Zusammenführen bisher oft getrennter, nebeneinander laufender Programme größere Effizienz und Nachhaltigkeit erreicht werden kann; wie durch das systematische Einbinden von NTD Programmen in allgemeine Gesundheits- und Entwicklungssysteme Kongruenzen geschaffen und lokale Ressourcen gestärkt werden können; und wie die zu erwartenden Herausforderungen der „letzten Meilen“ gemeistert werden.

Dies schließt insbesondere ein, lokale Antworten für besonders von Armut und Krisen erschütterte Länder und Regionen zu finden, die erhöhten Kosten bei abnehmenden Fallzahlen zu schultern, die mit zunehmendem Erfolg vermutlich abnehmende Investitionsbereitschaft von nationalen Regierungen und internationalen Spendern zu überwinden, und mögliche Probleme wie z.B. Resistenzentwicklungen zu meistern.

Foto: ©CBM/argum/Einberger

 

 

Berlin, 20.11.2020 – Das DNTDs hat unter der Schirmherrschaft von Ottmar von Holtz, MdB eine Studie vorgestellt, die zum ersten Mal einen Überblick verschiedener Maßnahmen deutscher Akteure aus Zivilgesellschaft, Forschung, Privatwirtschaft und Bundesregierung, und deren Finanzierung bei der Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten gibt. Christian Franz, Autor der Studie von cpc analytics beschreibt anhand von Daten, die er aus der Mitgliedschaft des DNTDs gewonnen hat, ein breites Spektrum von Aktivitäten, die zum Teil durch die Bundesregierung gefördert werden. Es wird deutlich, dass die zivilgesellschaftlichen und privatwirtschaftlichen Akteure einen großen Anteil der NTD-Bekämpfung aus Eigenmitteln finanzieren – gemäß ihrer Mission „leave no one behind“. Besorgniserregend ist, dass viele Projekte, die durch die Bundesregierung gefördert werden, demnächst auslaufen. Um einen nachhaltigen Kampf gegen die NTDs zu gewährleisten, müssten die Projekte verlängert, bzw. neue aufgesetzt werden.

Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bundesministerium für Gesundheit, Bildung und Forschung sowie wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und dem Bundeskanzleramt diskutierten mit Mitgliedern des DNTDs über zukünftige Entwicklungen. Alle Vertreter der Ministerien – BMBF, BMG, BMZ - betonten, dass auch künftig die Bekämpfung der NTDs eine Rolle spielen werde und dass Programme fortgeführt würden.

Die Mitglieder des DNTDs wiesen darauf hin, dass durch die Verabschiedung der WHO-Roadmap 2030 (12.Nov.2020) ein Paradigmenwechsel bei der Bekämpfung von vernachlässigten Tropenkrankheiten stattfindet, weg von der Kontrolle hin zur Eliminierung. Dieser Prozess benötige in Zukunft andere Methoden und der Bedarf an Medikamenten werde bis 2030 steigen. Es sei wichtig sein, dass NTD-Bekämpfung in Gesundheitsprogramme eingebettet werde und cross-sektorale Programme intensiver unterstützt werden.

 

Virtueller World Health Summit 2020

Berlin – 26.10.2020. Der DNTDs-Workshop beim ersten virtuellen World Health Summit 2020 stellte die COVID 19-Krise und ihre Auswirkungen auf die Maßnahmen zur Beseitigung der vernachlässigten Tropenkrankheiten in den Mittelpunkt. Dr. Mwele Malecela, WHO, Director of Department of Control of Neglected Tropical Diseases stellte fest, dass die COVID-19-Pandemie Fortschritte bei der Beseitigung vernachlässigter Tropenkrankheiten (NTD) auf dramatische Weise beeinflusst habe. Nach den ersten Empfehlungen der WHO seien   NTD-Programme ausgesetzt worden. Nun sei ein Entscheidungsrahmen entwickelt worden, der differenzierte Wiederaufnahmen von Massenbehandlungen und andere NTD-Interventionen ermöglichen.  Dies bedeute, dass nun die jährlichen Zyklen der Massenarzneimittelverabreichung, die bislang unterbrochen waren, wieder aufgenommen, überwacht und bewertet werden.   Dies gelte auch für die operative Forschung.  Johannes Waltz von Merck wies daraufhin, dass, wenn COVID-19 NTD-Interventionen für einen längeren Zeitraum gestört werden, die Wahrscheinlichkeit hoch sei, dass die Fallzahlen wieder steigen, und langjährige Anstrengungen verloren gehen. Irene Ayakaka von der DAHW beschrieb für die ostafrikanische Region, wie die NTD-Community Programme und Richtlinien angepasst und sich so den Herausforderungen der COVID-19-Pandemie gestellt habe.  Makoy Yibi Logara, der NTD Programm Koordinator des Landes Südsudan unterstrich, dass NTD-Programme einzigartige Plattformen böten, die alle Gemeinden mit ihren Präventions- und Behandlungsmaßnahmen in ihren Zielgebieten erreichen. Damit wären sie auch von großem Nutzen im Kampf gegen  COVID-19.  Constanze Bönig wies daraufhin, wie NTD Bekämpfungsprogramme mit dem One Health Ansatz gekoppelt werden können und dass die Bundesregierung einen neuen "One Health"-Schwerpunkt im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aufbaue. Prof. Dr. Achim Hörauf, Sprecher des DNTDs und Direktor des Instituts für Med. Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie an der Uniklinik Bonn und Dr. Dr. Carsten Köhler, Direktor des Kompetenzzentrums Tropenmedizin Baden-Württemberg, Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie, Universitätsklinikum, Eberhard-Karls-Universität Tübingen moderierten die Veranstaltung.

Eine Zusammenfassung finden Sie hier.