Hintergrund

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2012 Expertenworkshop

Entscheidend für die Gründung des Deutschen Netzwerks gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (DNTDs) war das Jahr 2012 – dem Jahr der London Declaration on Neglected Tropical Diseases. Die Idee zu einer gemeinsamen Plattform entstand nach einem Workshop von Experten für globale Gesundheit und Vertretern pharmazeutischer Unternehmen in Berlin. Sie diskutierten dabei über Strategien für eine bessere Zusammenarbeit und ein stärkeres Engagement des privaten Sektors bei der Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten (NTD).

Als Gastredner war John A. Kufuor, Präsident der Republik Ghana (2001-2009) und Vorsitzender der Afrikanischen Union (2007-2008) eingeladen. Kufuor war zu diesem Zeitpunkt NTD-Sonderbeauftragter des Global Network for Neglected Tropical Diseases (GNNTD). In dieser Rolle setzte er sich für eine stärkere Beteiligung von Geberländern, u.a. Deutschlands ein und forderte, Maßnahmen zur NTD-Bekämpfung in bestehende globale Gesundheits- oder sektorübergreifende Entwicklungsprogramme einzugliedern. Er betonte aber auch die Bereitschaft der endemischen Länder, stärker gegen NTDs vorzugehen. Das gewachsene Bewusstsein der betroffenen Länder führte zu einer Resolution, die bei der World Health Assembly 2013 angenommen wurde.

 

2013 Round Table

Zum ersten Mal trafen sich Wissenschaftler, Vertreter der Zivilgesellschaft und der Pharmaindustrie zu einem intensiven Austausch. Es zeigte sich, dass es in Deutschland zahlreiche Initiativen zu vernachlässigten Tropenkrankheiten, aber keine Bündelung der vielen Aktivitäten gibt. Als eines der größten Probleme wurde die geringe Bekanntheit der vernachlässigten Tropenkrankheiten in Deutschland identifiziert, die in krassem Gegensatz zu ihrer Bedeutung für die Gesundheit eines großen Teils der Bevölkerung in den betroffenen Ländern sowie für dortige wirtschaftliche Entwicklung steht. Die mangelnde Kenntnis führt letztlich dazu, dass ein Engagement für die Bekämpfung dieser Krankheiten zuwenig gesellschaftliche Unterstützung in Deutschland erfährt. Es bestand ein Konsens darin, diese Situation zu ändern.

Die meisten der Round-Table-Teilnehmer unterstützten die Idee, eine nationale Plattform in Deutschland zu gründen, um gemeinsam gegen die Armutskrankheiten vorzugehen. Wegweisend sollte die Road Map der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sein, der zu Folge bis zum Jahr 2020 mehrere der vernachlässigten tropischen Krankheiten eliminiert oder unter Kontrolle gebracht werden sollen. Als weitere Ziele wurden formuliert: die Deutsche Forschung stärken und bereits bestehende Bekämpfungsprogramme ausweiten.

Aus dem ersten Round Table entstand ein Jahr später der gemeinnützige Verein Deutsches Netzwerk gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (DNTDS) e.V. Der Verein besteht aus ordentlichen Mitgliedern und aus zugelassenen Beobachtern und Unterstützern. Er äußert sich gegenüber der Politik zu aktuellen entwicklungspolitischen Themen mit Gesundheitsbezug, wie etwa der Agenda für den G7-Gipfel in Deutschland und dem Ebolafieber-Ausbruch in Westafrika.