Berlin/Kigali, 2. Oktober 2026. Vernachlässigte Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases, NTDs) brauchen mehr als medizinische Lösungen: Sie erfordern politische Aufmerksamkeit, gezielte Forschungsförderung und die konsequente Beteiligung betroffener Menschen. Bei der 17. Konferenz des Neglected Tropical Diseases NGO Network (NNN) vom 29. September bis 1. Oktober 2026 in Kigali, Ruanda, brachte das DNTDs diese Anliegen in internationale Diskussionen ein.
Betroffenenperspektiven und psychosoziale Gesundheit stärken
Anil Fastenau, DNTDs-Vorstandsmitglied, Arzt, Epidemiologe und Global-Health-Berater bei der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW), wirkte an der Eröffnungsplenarsitzung mit. Eine Podiumsdiskussion mit Menschen, die selbst von NTDs betroffen sind, thematisierte ihre stärkere Beteiligung an Forschung, Programmen und politischen Entscheidungen. Bei einem Symposium zu Haut-NTDs beleuchtete Fastenau zudem die psychischen und psychosozialen Folgen der Erkrankungen. Sein Beitrag unterstrich, dass wirksame NTD-Programme neben medizinischer Versorgung auch Stigmatisierung, Diskriminierung und soziale Ausgrenzung berücksichtigen müssen.
Forschung wirksamer in die Praxis bringen
Fabian Schlumberger, DNTDs-Mitglied und PhD-Student an der Universität Antwerpen, organisierte und moderierte mehrere Fachveranstaltungen zur Wirtschaftlichkeit von One-Health-Ansätzen, und partizipativer Implementierungsforschung. Im Mittelpunkt standen die sektorübergreifende Zusammenarbeit mit Hinblick auf menschliche Gesundheit, Tiergesundheit und Umwelt sowie die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse effektiver in die Praxis übertragen werden können. Für Deutschland unterstreicht dieser Austausch den Wert internationaler Forschungskooperation und praxisorientierter Ansätze, die betroffene Gemeinden stärker einbeziehen. Auch die explizit von jungen Berufstätigen geführten Initiativen und Netzwerke, die von den anwesenden DNTDs Mitgliedern unterstützt werden, erfuhren Würdigung in der Abschlussplenarsitzung und weitere Institutionalisierung durch eine neue von jungen Akteuren geführte Arbeitsgruppe zu Klima und NTDs innerhalb des NNN.
Europäische Forschungsförderung gemeinsam voranbringen
Das Zusammentreffen beim NNN wurde auch zu einem vertieften Austausch der nationalen NTD-Koalitionen aus Deutschland, Großbritannien, Kanada und Spanien genutzt. Diskutiert wurden Möglichkeiten, Erfahrungen stärker zu teilen und gemeinsame politische Anliegen zu koordinieren. Ein konkreter Ansatzpunkt ist die European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP). Die Beteiligten erörterten, wie NTDs in diesem Rahmen stärker berücksichtigt werden können. Mit Blick auf das nächste EDCTP-Forum in Madrid wurde angeregt, dass die spanische Koalition eine koordinierende Rolle bei möglichen gemeinsamen Advocacy-Aktivitäten übernimmt.
Die NTD-Jugendbotschafterin Leonie Maier und Prof. Martin Kollmann unterstützten die Diskussionen online.
Die Botschaft vom NNN aus Ruanda nach Deutschland
Internationale NTD-Advocacy schafft Verbindungen, um vernachlässigte Tropenkrankheiten stärker auf die politische und wissenschaftliche Agenda zu setzen. Gemeinsames Ziel aller nationalen Koalitionen ist, trotz schrumpfender finanzieller Mittel das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Bekämpfung der NTDs in ihren jeweiligen nationalen Regierungen aufrechtzuerhalten.