Weltweit gab es nie mehr Engagement für die Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten

++ Deutsches Netzwerk unterstützt internationales Engagement

++ Neue Zahlen zu Fortschritt im 4. Fortschrittsbericht nach der London Declaration

Berlin/London, 4. Mai 2016 . Mit großer Aufmerksamkeit wird die Veröffentlichung des 4. Fortschrittsberichts des Bündnisses Uniting to Combat NTDs zur Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten international verfolgt. Der Bericht informiert über die Fortschritte bei der Bekämpfung von 10 vernachlässigten Tropenkrankheiten, wie zum Beispiel Bilharziose, Elephantiasis, Flussblindheit, Trachom oder Lepra und vergleicht die Zahlen mit den Planungen der Roadmap der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der London Declaration. Es sind Armutskrankheiten, an denen global jeder siebte Mensch leidet und die vor allem die Ärmsten der Armen in Afrika, Asien und Lateinamerika betreffen.

In der London Deklaration haben Vertreter der Regierungen der USA und Großbritanniens, der WHO, der Weltbank, der Bill und Melinda Gates Stiftung, der Zivilgesellschaft, Forschungs- und akademischen Einrichtungen und 13 Pharmaunternehmen 2012 vereinbart, bis Ende des Jahrzehnts zehn der vernachlässigten Tropenkrankheiten einzudämmen oder auszurotten.

Die Autoren des 4. Fortschrittsberichts stellen fest, dass es weltweit nie mehr Engagement aus der Wirtschaft, Forschung, Zivilgesellschaft und Politik gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten gegeben habe. Die wichtigsten Gründe dafür sind: Weltweite Gesundheitsprogramme hätten sich ausgedehnt; es gebe bessere Informationen, um die richtigen Schritte für die Bekämpfungsprogramme einzuleiten; erkrankte Menschen profitierten von den umfangreichen Medikamentenspenden der Pharmaunternehmen, die etwa 1,5 Mrd. Behandlungen jährlich ermöglichten; und schließlich gäbe es noch mehr Engagement in den betroffenen Ländern als bisher, um die Medikamente zu den betroffenen Menschen zu bringen. Um jedoch die gesetzten Ziele bis 2020 zu erreichen, müssten noch viel größere Anstrengungen unternommen werden, um erfolgreich zu sein. Starke Partnerschaften sowie mehr politisches und finanzielles Engagement weltweit sei notwendig.

Eine weitere Feststellung des Berichtes lautet, dass die Verankerung der vernachlässigten Tropenkrankheiten im Gesundheitsziel 3 der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung für mehr Aufmerksamkeit sorgt. „Das sollte auch in Deutschland zu mehr Interesse an der Bekämpfung der vernachlässigten armutsassoziierten Krankheiten führen“, sagt  Jürgen May,  Sprecher des Deutschen Netzwerks gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten, Leiter Abteilung Infektionsepidemiologie im Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM).

Zentrales Anliegen sei es, das Gesundheitsziel 3 der neuen Entwicklungsagenda für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen erfolgreich umzusetzen. Darin geht es u.a. darum, die Zahl der von NTDs betroffenen Menschen, welche Interventionen benötigen, um 90 Prozent zu reduzieren, mittels umfassender, integrierter und inklusiver (barrierefreier) NTD-Programme. „Es ist gut, dass Deutschland bereits Partnerschaften zur Entwicklung neuer Medikamente und Diagnostika fördert. Nicht weniger wichtig ist aber die Nutzung  vorhandener Medikamente und Interventionen, die oft nicht zu den in weit abgelegenen Gebieten lebenden Menschen gelangen. Durch finanzielle Unterstützung der WHO und nationaler Bekämpfungsprogramme könnte Deutschland einen wichtigen Beitrag zur weiteren Ausweitung der Zahl der behandelten Menschen und zur gezielten Stärkung lokaler Basisgesundheitsprogramme leisten“, so May weiter. 

„Nach Ausbruch der Ebola Epidemie ist klar geworden, dass NTDs ein Gradmesser für die erfolgreiche Umsetzung der Prämisse „Leave no one behind (Niemanden zurücklassen) – sind und in besonderem Maße dazu geeignet sind, die am meisten marginalisierten Menschen, Familien und Bevölkerungsgruppen zu identifizieren (Target Funktion) und den Fortschritt bei der medizinischen Versorgung dieser Menschen zu messen (Tracer Funktion),“ sagte May.

Der 4. Fortschrittsbericht zur London-Deklaration 2016 steht auch in deutscher Sprache zur Verfügung.

 

 

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