Fortschritte bei der Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten – aber mehr Engagement seitens der Bundesregierung erforderlich

++ 29.1.2017: Welt-Lepra-Tag

++ 30.1.2017: Fünf Jahre London Declaration zum Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten

29.1.2017 Berlin/Würzburg – Vor fünf Jahren verpflichteten sich Vertreter von zivilgesellschaftlichen Nichtregierungsorganisationen, Regierungen, Wissenschaft, Industrie und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit der so genannten London Declaration zur   Bekämpfung und Ausrottung der zehn häufigsten vernachlässigten und armutsassoziierten Tropenkrankheiten, darunter auch Lepra. Fünf Jahre nach Unterzeichnung der London Declaration sind wichtige Fortschritte im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTDs) zu verzeichnen:

  • 2015 haben knapp 1 Milliarde Menschen präventive Chemotherapie (vorbeugende Massenbehandlung) gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten erhalten. Das ist ein Anstieg von annähernd 62 Prozent gegenüber 2012.
  • Für die Bekämpfung der vernachlässigten Tropenkrankheit Lymphatische Filariose (Elephantiasis) gibt es mittlerweile in 23 Ländern eine Abdeckung von 100 Prozent bei der medikamentösen Massenbehandlung.
  • Die Flussblindheit (Onchozerkose), die unbehandelt zur Erblindung führt, konnte in Kolumbien, Ecuador, Mexiko und Guatemala erfolgreich eliminiert werden.

„Erfolge können auch bei der Leprabekämpfung vermeldet werden: Bald schon könnte eine Möglichkeit bestehen, den Übertragungsweg der Krankheit zu unterbrechen.“, erklärt Dr. Karl Puchner, von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. (DAHW.) mit Blick auf eine Studie, an der das DAHW gegenwärtig in fünf Ländern arbeitet. Lepra ist eine bekannte und immer noch stark stigmatisierende tropische Infektionskrankheit, an der auch heute noch zahlreiche Menschen leiden, und an der sich jährlich etwa 250.000 Menschen neu anstecken. Aber Lepra ist heilbar.

“Das ungebrochene Engagement aller Beteiligten der London Declaration gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus“, sagt Prof. Dr. Jürgen May, Sprecher des Deutschen Netzwerks gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (DNTDs) und Leiter der Arbeitsgruppe Infektionsepidemiologie beim Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). “Doch will man die Selbstverpflichtung der London Declaration bis 2020 tatsächlich einlösen, müssen neben verstärkten Investitionen in Forschungsaktivitäten parallel dazu die Gesundheitssysteme in den betroffenen Ländern – gerade in den oft vernachlässigten ländlichen Regionen - gestärkt und die Versorgung aller Betroffenen sicher gestellt werden. Dank umfangreicher Spenden der an der London Declaration beteiligten Unternehmen, stehen Medikamente zur Bekämpfung der vernachlässigten Tropenkrankheiten vielerorts zur Verfügung. Doch durch das oft unterentwickelte Gesundheitswesen in den betroffenen Ländern wird ihre regelmäßige Verteilung an von NTDs betroffene Bevölkerungsgruppen und die damit verbundene medizinische Versorgung zu einer schwer überwindbaren Hürde. Die Bundesregierung muss deutlich machen, wie sie hier gegensteuern möchte.“ 

Das Deutsche Netzwerk gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten appelliert an die deutsche Bundesregierung, die Gastgeberrolle beim G20-Gipfel in Hamburg zu nutzen, um mehr Aufmerksamkeit auf die Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten zu lenken. Auch die unter deutscher G7-Präsidentschaft 2015 getroffenen Zusagen bezüglich NTD-Bekämpfung müssen konsequent umgesetzt werden. Die Bundesregierung sollte hierfür einen mehrjährigen Umsetzungsplan mit nachvollziehbaren Zielgrößen vorlegen. Dabei muss es sowohl um Forschung und Entwicklung gehen als auch um Fragen der Implementierung und sektorübergreifenden Kooperation.

Weiter Informationen bei Interviewwünschen über das DNTDs-Koordinationsbüro:

Telefon  030 236 246 03

Mehr Informationen zu Lepra

http://www.dahw.de/unsere-arbeit/pressedownloads/presse-zum-wlt2017.html

Mehr Informationen zur London Declaration

https://www.unitingtocombatntds-toolkit.org/

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Vor fünf Jahren war die London-Declaration international Anlass für ein wachsendes Engagement zur Kontrolle, Eliminierung bzw. Ausrottung der zehn häufigsten vernachlässigten Tropenkrankheiten bis 2020. Um dieses von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gesetzte Ziel zur Bekämpfung von vernachlässigten und armutsassoziierten Krankheiten zu beschleunigen, hatten 2012 viele Akteure - unter anderem 13 Pharmaunternehmen, Länder wie die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Vereinigten Arabischen Emirate, Institutionen wie die Bill & Melinda Gates Foundation und die Weltbank - mehr als 785 Millionen US-$ für die Unterstützung von Forschung und Entwicklung sowie die Stärkung von Programmen zur Verteilung von Medikamenten und zur Implementierung von Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zugesagt. Man einigte sich auf eine gemeinsame Plattform zur Kontrolle und, wo möglich, zur Eliminierung der zehn häufigsten NTDs. Derzeit sind in 74 Ländern weltweit NTD-Bekämpfungsprogramme auf dem Weg, die sich je nach den lokalen epidemiologischen Gegebenheiten gegen verschiedene NTDs richten. Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit zu NTD-Bekämpfung zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen werden auch diverse Querschnittsthemen verstärkt bearbeitet, weil vernachlässigte Tropenkrankheiten eng mit Themenfeldern wie Gesundheit und Ernährung oder Frauengesundheit oder WASH-Initiativen (Wasser-, Sanitärversorgung und Hygienemaßnahmen) verbunden sind.

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