Sommerempfang 2026 setzt Zeichen für globale Gesundheitsverantwortung

+ + + Ehrengast Botschafter der Republik Ghana in Deutschland Prof. Dr. Ohene Adjei : Partnerschaft auf Augenhöhe

Bildquelle: DNTDs

Berlin, 23. Juni 2026 – Der DNTDs-Sommerempfang 2026 stand im Zeichen internationaler Partnerschaften, wissenschaftlicher Zusammenarbeit und geteilter globaler Verantwortung. Im Mittelpunkt des Abends stand der Austausch darüber, wie nachhaltige Fortschritte im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTDs) durch langfristige Kooperationen zwischen Politik, Wissenschaft und betroffenen Ländern gelingen können. Als Ehrengast sprach Prof. Dr. Ohene Adjei, Botschafter der Republik Ghana in Deutschland. Der renommierte Tropenmediziner und Parasitologe blickt auf jahrzehntelange Erfahrung in Forschung, Lehre und Gesundheitsversorgung zurück und ist mit Deutschland durch zahlreiche wissenschaftliche Kooperationen eng verbunden.

Gesundheit als Grundlage für Stabilität und Entwicklung

Die Schirmherrschaft des Sommerempfangs übernahm MdB Sascha van Beek, Sprecher des Parlamentarischen Beirats gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten. In seinem Grußwort betonte er die zentrale Bedeutung leistungsfähiger Gesundheitssysteme für gesellschaftliche Stabilität und wirtschaftliche Entwicklung. Gesundheit sei nicht nur eine Voraussetzung für bessere Lebensbedingungen vor Ort, sondern auch für verlässliche internationale Partnerschaften und funktionierende globale Lieferketten. Deutschland trage dabei Verantwortung – insbesondere im Zusammenhang mit dem Handel strategisch wichtiger Rohstoffe.

Zugleich verwies van Beek auf die wachsenden Herausforderungen durch den Klimawandel. Krankheitsübertragende Vektoren wie die Tigermücke breiteten sich zunehmend auch in Europa aus und könnten künftig verstärkt zur Übertragung tropischer Krankheiten beitragen. Trotz dieser Entwicklung sei es weiterhin eine Herausforderung, globale Gesundheitsthemen dauerhaft auf der politischen Agenda zu verankern, vor allem vor dem Hintergrund drängender geopolitischer Prioritäten und schrumpfender Etats.

Ghana als Vorreiter der NTD-Bekämpfung

In seiner Rede zog Prof. Adjei eine eindrucksvolle Bilanz der Fortschritte Ghanas im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten. Das westafrikanische Land konnte in den vergangenen Jahren bedeutende Erfolge erzielen: Trachom, die Guinea-Wurm-Erkrankung und die Schlafkrankheit gelten als eliminiert. Bei der lymphatischen Filariose wurde die Übertragung bereits in 109 von ehemals 116 endemischen Distrikten unterbrochen. Auch bei der Onchozerkose rückt die Elimination zunehmend in Reichweite. Aus- und Fortbildung von Fachkräften und die Forschung an NTDs wird am Kumasi Centre for Collaborative Research (KCCR) weiter vorangetrieben.

Für Adjei beruhen diese Erfolge auf mehreren Faktoren: einer stabilen Gesundheitsinfrastruktur, frühzeitiger Diagnostik und vor allem auf langjährigen internationalen Forschungspartnerschaften. Armut und Klimawandel blieben zugleich die wichtigsten Treiber der Ausbreitung von NTDs. „Diagnose ist der Schlüssel. Nur wer Krankheiten früh erkennt, kann wirksam gegen sie vorgehen“, betonte er.

Internationale Partnerschaften als Erfolgsfaktor

Adjei machte deutlich, dass die erzielten Fortschritte ohne internationale Kooperationen nicht möglich gewesen wären. Kein Land könne die Herausforderungen der globalen Gesundheit allein bewältigen. Die langjährige Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen – insbesondere in Bonn und in Hamburg – habe wesentlich dazu beigetragen, wissenschaftliche Expertise aufzubauen, Fachkräfte auszubilden und nachhaltige Strukturen zu schaffen. Gerade in der Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten seien gegenseitiges Lernen und gemeinsame Forschung unverzichtbar. Partnerschaften auf Augenhöhe seien daher nicht nur ein politisches Leitbild, sondern eine praktische Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg.

Der Botschafter selbst steht exemplarisch für die enge wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ghana und Deutschland. Als ehemaliger CEO des Komfo Anokye Teaching Hospital in Kumasi und früherer stellvertretender Direktor des KCCR forschte er fast zwei Jahrzehnte lang mit Kollaborationspartnern aus Bonn und Hamburg. Er war neben der Forschung an Filarien auch an der Etablierung der derzeitigen Therapie des Buruli-Ulkus beteiligt.

Frieden als Voraussetzung für Gesundheit

Neben wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Fragen rückte Adjei einen weiteren Aspekt in den Fokus: die Bedeutung politischer Stabilität. Gesundheitliche Fortschritte entstünden nicht im luftleeren Raum, sondern seien auf Frieden und funktionierende staatliche Strukturen angewiesen. „Frieden ist die Voraussetzung für alles andere. Ghana ist ein gesegnetes Land – sicher, stabil und mit einer Regierung, die eng mit traditionellen Autoritäten zusammenarbeitet.

Globale Verantwortung gemeinsam gestalten

Der Sommerempfang machte deutlich, dass der Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten weit über medizinische Fragestellungen hinausgeht. Gesundheit, Frieden, wirtschaftliche Stabilität, Klimawandel und internationale Zusammenarbeit sind eng miteinander verknüpft. Die Veranstaltung unterstrich, dass nachhaltige Fortschritte nur durch langfristige Partnerschaften und gemeinsame Verantwortung erreicht werden können.

Moderiert wurde der Abend von Prof. Dr. Achim Hörauf, der in Hamburg und später in Bonn gemeinsam mit Prof. Adjei geforscht hatte und heute zahlreiche Forschungs- und Ausbildungsprojekte zwischen Ghana und Deutschland begleitet.

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